Hilfe bei chronischen Verdauungsbeschwerden

Aktualisiert: 7. Apr 2020

Unsere Nahrung soll schmecken, uns mit der nötigen Energie versorgen und sie ist gleichzeitig auch für die Ernährung unserer Darmflora mit ihren unzähligen Bakterien und Pilzen verantwortlich. Wenn wir uns dauerhaft zu einseitig ernähren, kann sich das negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Wenn wir in unserer Ernährung einfache Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis, Nudeln und Brot bevorzugen, führt dies beispielsweise dazu, dass bestimmte Bakterienkulturen davon profitieren, welche beim Verstoffwechseln viel Gärung im Darm verursachen. Wenn wir auf Dauer zu viel Eiweiss zuführen, bzw. schlecht verdauen, stellt dies begehrtes Futter für Fäulnisbakterien dar.

Umgekehrt gilt aber auch, dass, wenn wir den Konsum bestimmter Nährstoffe einschränken, bestimmte Darmbewohner keine Nahrung mehr haben. Auf diese Weise können sie sich nicht entfalten und haben dementsprechend keinen Einfluss mehr auf unser Wohlbefinden. Wir steuern also in gewisser Weise mit unserer Ernährung auch unser eigenes Ökosystem.

Ca. 50% der Bevölkerung leiden unter unklaren Bauchbeschwerden, die mit Blähungen, Übelkeit, Schmerzen, Apetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung oder dergleichen einhergehen. Häufig entstehen diese Symptome aufgrund einer Fehlbesiedelung des Darms, auch Dysbiose genannt. Chronische Verdauungsbeschwerden, Abwehrschwäche, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Allergien und andere Krankheiten können die Folge sein. Fäulnis- und Gärkeime stören das mikroökologische Gleichgewicht und sind Hauptursachen einer Selbstvergiftung des Organismus durch den Darm.

Nahrungsüberangebot, einseitige Ernährung, schlechtes Kauen und hastiges Essen sorgen dafür, dass Verdauungsrückstände in den Dickdarm gelangen. Eine der Hauptursachen für Verdauungsrückstände ist eine gestörte Nährstoffspaltung (Maldigestion). Bereits im Magen kann aufgrund von Magensäuremangel und Mangel an Verdauungsenzymen die Vorverdauung unvollständig ablaufen. Dies überfordert zwangsläufig den nachfolgenden Dünndarm und allzu viele Rückstände landen im Dickdarm und füttern dort die Gär- und Fäulniskeime an. Auch eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse ( Pankreasinsuffizienz) kann dazu führen, dass im Dünndarm nicht ausreichend Galle und Verdauungsenzyme vorliegen.

Ein weiterer möglicher Hauptgrund für erhöhte Verdauungsrückstände im Dickdarm ist eine gestörte Nährstoffaufnahme (Malabsorption) über eine gereizte oder entzündete Darmschleimhaut. Solche Schleimhautirritationen entstehen zumeist durch bakterielle Fehlbesiedelungen, chemische Substanzen (wie z.B. Medikamente) oder durch Nahrungsmittel im Sinne einer Intoleranz oder Allergie. Die unweigerliche Folge davon ist die gestörte Nährstoffaufnahme (gestörte Resorption) und die Anhäufung von Verdauungsrückständen, die dann quasi unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort zum Nährboden für Fäulnis- und Gärkeime werden.

Zusatzstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker, von Antibiotika und Wachstumshormonen ganz zu schweigen, bedeuten ebenfalls Stress für unseren Darm.

Neben der Ernährung können auch Medikamente das Ökosystem Darm massiv beeinträchtigen. Zu den Medikamenten, die unsere Darmflora massiv schädigen, zählen entzündungshemmende Antirheumatika, Cortison oder Schmerzmittel.

Antibiotika haben auch einen enormen Einfluss auf unsere Darmflora. Sie zählen zu den weltweit besonders häufig verschriebenen Medikamenten. Antibiotika hindern Bakterien daran, sich weiter zu vermehren, sie töten Bakterien ab. Diese beiden Funktionen sind natürlich enorm wichtig, wenn Bakterien eine gefährliche Entzündung auslösen und können Leben retten. Antibiotika werden leider häufig viel zu schnell verordnet und kommen sogar bei Erkrankungen zum Einsatz, die von Viren verursacht werden, sie werden in solchen Fällen völlig umsonst verschrieben. Von zehn Infektionen werden neun durch Viren verursacht und nicht von Bakterien. Bei einer Antibiotikatherapie werden nicht nur die "schlechten" Bakterien getötet, sondern auch die "guten". Durch die Schädigung der Nützlinge kann der Anteil von anderen, krank machenden Erregern zunehmen.

Fazit: Antibiotika sollte man nur dann einnehmen, wenn tatsächlich klar ist, dass Bakterien die Ursache der Infektion sind.

Bei einer Antibiotika Therapie sollten wir unser Ökosystem Darm immer mit der Einnahme von Probiotika unterstützen.

Beim Thema Antibiotika dürfen wir nicht nur an die Medikamente denken, sondern auch daran, dass in der Fleischproduktion und auch im Trinkwasser Antibiotika zu finden sind.

Aber auch andere Medikamente wie Antirheumatika, Cortison, entzündungshemmende Mittel, Schmerzmittel, Säureblocker (Protonenpumpeninhibitoren) und Abführmittel zerstören unsere physiologische Darmflora ebenso wie eine Koloskopie und Stress.

Eine Koloskopie (Darmspiegelung) dient der Untersuchung des Dickdarms und der Darmschleimhaut auf Entzündungen, Geschwüre, Divertikel, Polypen und Tumoren. Der Darmspiegelung geht eine Darmspülung voraus, damit der Arzt bei der Endoskopie freie Sicht auf den Dickdarm hat. Dafür muss der Dickdarm vollständig entleert sein, was durch das Trinken einer abführenden Flüssigkeit am Vortag auch gelingt. Mit der vollständigen Darmentleerung gehen aber auch Kolonien von erwünschten Darmbakterien verloren und es besteht die Möglichkeit, dass sich die Darmprobleme nach der Koloskopie noch verstärken oder gar erst danach auftreten.

Um die Wiederbesiedelung des Darmes durch Bakterien in die richtige Richtung zu lenken (Symbioselenkung), empfiehlt es sich bereits vor einem solchen Eingriff entsprechende Probiotika zuzuführen.


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