Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit – kann eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut) die Ursache sein?
- Selma Alacam
- 9. März
- 4 Min. Lesezeit

Viele Menschen leiden unter wiederkehrenden Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder anhaltender Müdigkeit. In meiner Naturheilpraxis Selma Alaçam in Mannheim begegnen mir diese Beschwerden häufig in der täglichen Arbeit mit Patientinnen und Patienten. Manchmal kommen zusätzlich Hautprobleme, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder allgemeine Erschöpfung hinzu.
Wenn sich solche Symptome häufen, stößt man bei der Suche nach möglichen Ursachen häufig auf den Begriff „Leaky Gut“. Gemeint ist damit eine Veränderung der sogenannten Darmbarriere – also der Schutzfunktion der Darmschleimhaut, die den Darminhalt vom Inneren des Körpers trennt.
In der medizinischen Diskussion wird in diesem Zusammenhang auch von einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut oder einem durchlässigeren Darm gesprochen.
Was mit einer gestörten Darmbarriere gemeint ist
Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig. Die Darmschleimhaut bildet gleichzeitig eine sehr feine Barriere zwischen Darminhalt und Körper.
Diese Darmbarriere erfüllt mehrere wichtige Aufgaben:
Sie ermöglicht die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung.
Sie verhindert gleichzeitig, dass größere Partikel, Mikroorganismen oder Schadstoffe unkontrolliert in den Körper gelangen.
Sie steht in engem Austausch mit dem Immunsystem.
Die Darmbarriere besteht unter anderem aus:
den Zellen der Darmschleimhaut
speziellen Verbindungsstrukturen zwischen diesen Zellen (sogenannte Tight Junctions)
einer schützenden Schleimschicht
sowie einem großen Teil des Immunsystems, das sich im Darm befindet.
Wenn diese Schutzfunktion gestört ist, kann die Darmschleimhaut durchlässiger werden. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Leaky Gut oder Leaky-Gut-Syndrom verwendet.
Welche Rolle die Darmflora dabei spielt
Die Darmflora, heute meist als Darmmikrobiom bezeichnet, hat einen wichtigen Einfluss auf die Stabilität der Darmbarriere und der Darmschleimhaut.
Im Darm leben Milliarden von Mikroorganismen, darunter:
Bakterien
Pilze
Viren
andere Mikroorganismen.
Viele dieser Mikroorganismen erfüllen wichtige Aufgaben für den Körper. Sie
unterstützen unter anderem:
die Verdauung bestimmter Nahrungsbestandteile
die Bildung von Stoffwechselprodukten
die Stabilität der Darmschleimhaut und der Darmbarriere
die Regulation des Immunsystems.
Ein Teil dieser Mikroorganismen produziert beispielsweise kurzkettige Fettsäuren, die als wichtige Energiequelle für die Zellen der Darmschleimhaut dienen.
Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht im Darm aus der Balance, kann sich auch die Funktion der Darmbarriere verändern.
Veränderungen der Darmflora können außerdem dazu beitragen, dass Entzündungsprozesse im Darm begünstigt werden. Solche Reaktionen können wiederum die Stabilität der Darmschleimhaut beeinflussen.
Mehr über diese Zusammenhänge kannst du auch im Artikel
Welche Symptome bei einer gestörten Darmbarriere auftreten können
Wenn die Darmbarriere gestört ist oder die Darmschleimhaut stärker durchlässig wird, können verschiedene Beschwerden auftreten. Häufig berichten Betroffene über eine Kombination aus Verdauungsproblemen und allgemeinen körperlichen Beschwerden.
Mögliche Symptome können zum Beispiel sein:
Blähungen und ein aufgeblähter Bauch
Bauchschmerzen oder Druck im Bauch
Übelkeit oder Völlegefühl
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Durchfall oder Verstopfung
Müdigkeit oder Erschöpfung
Hautprobleme
erhöhte Infektanfälligkeit
Konzentrationsprobleme (brain fog)
Diese Symptome können natürlich viele unterschiedliche Ursachen haben. Eine veränderte Darmbarriere oder ein durchlässiger Darm ist nur eine mögliche Erklärung, die im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung berücksichtigt werden kann.
Welche Faktoren die Darmbarriere beeinflussen können
Verschiedene Einflüsse können dazu beitragen, dass das Gleichgewicht im Darm verändert wird und die Darmbarriere ihre Schutzfunktion nicht mehr optimal erfüllen kann.
Dazu gehören unter anderem:
Veränderungen der Darmflora
dauerhafte Belastung des Nervensystems durch Stress
bestimmte Medikamente
wiederkehrende Infektionen
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Umweltbelastungen
Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil.
Wenn die Darmbarriere verändert ist, stellt sich für viele Menschen die Frage, wie sich die Darmbarriere wieder stabilisieren oder aufbauen lässt. In der Praxis spielen dabei häufig mehrere Faktoren eine Rolle – unter anderem die Darmflora, die Darmschleimhaut, das Nervensystem sowie Ernährung und Lebensstil.
Auch die Frage, wie sich eine gereizte oder geschädigte Darmschleimhaut regenerieren kann, wird in diesem Zusammenhang häufig gestellt.
Zusammenhang zwischen Darm und Nervensystem
Der Darm steht in enger Verbindung mit dem Nervensystem über die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Über Nervenverbindungen, Botenstoffe und Hormone tauschen Darm und Gehirn ständig Informationen miteinander aus.
Dauerhafte Anspannung, Stress oder belastende Lebenssituationen können deshalb auch:
die Darmbewegung (Peristatltik)
die Ausschüttung von Verdauungsenzymen
die Wahrnehmung von Reizen im Bauchraum
sowie möglicherweise auch auf die Stabilität der Darmbarriere.
Mehr über diese Zusammenhänge kannst du im Artikel
auf der Seite Reizdarm, Verdauung und Nervensystem.
Ganzheitliche Betrachtung bei Verdauungsbeschwerden
Verdauungsbeschwerden entstehen selten durch eine einzige Ursache. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.
Bei einer ganzheitlichen Betrachtung können unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt werden:
die Zusammensetzung der Darmflora
die Stabilität der Darmschleimhaut und der Darmbarriere
die Funktion des Verdauungssystems (z.B. Verdauungsenzyme, Magensäure,Darmbewegung)
die Belastung des Nervensystems durch Stress oder dauerhafte Anspannung
mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten
chronische Infektionen oder Veränderungen im Darmmilieu
entzündliche Prozesse im Darm
Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil
mögliche Umweltbelastungen.
Gerade bei länger bestehenden Verdauungsbeschwerden kann es sinnvoll sein, verschiedene mögliche Einflussfaktoren gemeinsam zu betrachten. Ziel einer solchen Betrachtung ist es, mögliche Zusammenhänge besser zu verstehen und individuelle Auslöser von Beschwerden zu erkennen.
Weitere mögliche Ursachen von Verdauungsbeschwerden
Neben Veränderungen der Darmbarriere können auch andere Faktoren zu Verdauungsbeschwerden beitragen. Häufig wirken mehrere Einflüsse gleichzeitig auf das Verdauungssystem.
Dazu können unter anderem gehören:
ein empfindliches Zusammenspiel zwischen Darm und Nervensystem
chronische Entzündungsquellen im Körper, zum Beispiel im Mund- oder Zahnbereich (Zahnherde)
hormonelle Veränderungen, die sich auf Verdauung und Darmfunktion auswirken können.
Reaktionen des Immunsystems im Darm, bei denen auch Botenstoffe wie Histamin eine Rolle spielen können.
Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Bei manchen Menschen können Veränderungen im Darm dazu beitragen, dass Histamin im Körper stärker wirkt oder schlechter abgebaut wird.
Das kann sich nicht nur im Verdauungssystem zeigen, sondern zum Beispiel auch durch Kopfschmerzen, Migräne, Hautreaktionen oder ein allgemeines Unwohlsein bemerkbar machen.
Mehr über mögliche Zusammenhänge kannst du auch in den folgenden Artikeln nachlesen:
Hinweis
Wenn du unter anhaltenden Verdauungsbeschwerden leidest, kann es sinnvoll sein, die möglichen Ursachen genauer zu betrachten.
In meiner Naturheilpraxis Selma Alaçam in Mannheim begleite ich Menschen dabei, Zusammenhänge zwischen Darm, Verdauung, Darmflora und Nervensystem besser zu verstehen.




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