SIBO – bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms verstehen
- Selma Alacam
- 8. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. März

Viele Menschen leiden unter wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder einem unangenehmen Druckgefühl im Bauch. Häufig treten diese Beschwerden besonders nach dem Essen auf oder verstärken sich im Verlauf des Tages.
Eine mögliche Ursache kann eine Dünndarmfehlbesiedelung sein. In der Fachsprache wird dies als SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) bezeichnet.
Damit ist gemeint, dass sich im Dünndarm mehr Bakterien ansiedeln als normalerweise vorgesehen. Häufig handelt es sich dabei um Bakterienarten, die eigentlich überwiegend im Dickdarm vorkommen, zum Beispiel bestimmte Gärungs- oder Fäulnisbakterien.
Gelangen diese Mikroorganismen in größerer Menge in den Dünndarm, können sie dort Verdauungsprozesse verändern. Die Folge können Beschwerden sein wie Blähbauch, Bauchschmerzen, Druck im Bauch oder eine veränderte Verdauung.
Wenn du dich grundsätzlich für den Zusammenhang zwischen Verdauung und Nervensystem interessierst, findest du hier weitere Informationen:
Unterschied zwischen Dünndarm und Dickdarm
Im menschlichen Verdauungssystem leben Billionen von Mikroorganismen. Dazu gehören nicht nur Bakterien, sondern auch Viren, Pilze, Archaeen und andere Mikroorganismen, die zusammen das sogenannte Darmmikrobiom bilden.
Der größte Teil dieser Mikroorganismen befindet sich im Dickdarm.
Der Dünndarm erfüllt vor allem eine Aufgabe:
Hier werden die bereits im Magen und durch Verdauungsenzyme aufgespaltenen Nährstoffe weiter verarbeitet und über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen. Dazu gehören beispielsweise Aminosäuren, Fettsäuren, Zucker, Vitamine und Mineralstoffe.
Der Dickdarm erfüllt dagegen andere Aufgaben.
Hier werden unverdauliche Nahrungsbestandteile durch Darmmikroorganismen weiter abgebaut. Gleichzeitig wird Wasser aus dem Darminhalt resorbiert, wodurch sich der Darminhalt zunehmend verdickt. Auf diese Weise entsteht der Stuhl, der anschließend zur Ausscheidung weitertransportiert wird.
Damit diese Abläufe gut funktionieren, ist es wichtig, dass sich die Mikroorganismen hauptsächlich im Dickdarm befinden, während im Dünndarm normalerweise nur eine vergleichsweise geringe Menge vorkommt.
Mehr über die Bedeutung des Darmmikrobioms findest du hier:
Was bei einer Dünndarmfehlbesiedelung passiert
Bei einer Dünndarmfehlbesiedelung ist dieses Gleichgewicht gestört.
Im Dünndarm befinden sich dann mehr Bakterien als normalerweise vorgesehen, häufig Bakterienarten, die eigentlich überwiegend im Dickdarm vorkommen.
Diese Mikroorganismen beginnen bereits im Dünndarm damit, Nahrungsbestandteile zu vergären. Dabei entstehen Gase und verschiedene Stoffwechselprodukte, die die Verdauung beeinflussen können.
Je nach Zusammensetzung der Mikroorganismen können dabei unterschiedliche Prozesse entstehen, etwa verstärkte Gärungs- oder Fäulnisprozesse, die wiederum Beschwerden auslösen können.
Welche Symptome auftreten können
Typische Beschwerden bei einer Dünndarmfehlbesiedelung können zum Beispiel sein:
vermehrte Gasbildung im Bauch mit sichtbarem Blähbauch
Druck- oder Spannungsgefühl im Bauch
Bauchschmerzen oder krampfartige Beschwerden
Durchfall oder wechselnde Verdauung
Völlegefühl nach dem Essen
Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln
Viele Betroffene berichten außerdem, dass sich die Beschwerden nach bestimmten Nahrungsmitteln verstärken oder im Laufe des Tages zunehmen.
Wenn dich besonders das Thema Blähbauch nach dem Essen interessiert, kannst du hier weiterlesen:
Auch ein Blähbauch ohne klar erkennbare Ursache kann mit Veränderungen im Verdauungssystem zusammenhängen:
Mögliche Ursachen einer Dünndarmfehlbesiedelung
Eine Dünndarmfehlbesiedelung entsteht meist nicht durch einen einzelnen Faktor. Häufig spielen mehrere Einflüsse zusammen, die die Verdauung oder die natürliche Darmbewegung beeinflussen.
Mögliche Ursachen können zum Beispiel sein:
verlangsamte Darmbewegung (Motilitätsstörungen)
eine verminderte Magensäureproduktion
Störungen der Bauchspeicheldrüsenfunktion
frühere Darminfektionen
bestimmte Medikamente (z. B. Säureblocker oder Antibiotika)
Operationen im Bauchraum
chronischer Stress und eine dauerhafte Belastung des Nervensystems
Diese Faktoren können dazu führen, dass Bakterien, die normalerweise im Dickdarm vorkommen, in den Dünndarm aufsteigen und sich dort stärker vermehren.
Mögliche Begleitprobleme bei SIBO
Neben den typischen Verdauungsbeschwerden können bei einer Dünndarmfehlbesiedelung auch weitere Beschwerden auftreten.
Da der Dünndarm eine zentrale Rolle bei der Aufnahme von Nährstoffen spielt, kann eine gestörte Verdauung langfristig zu verschiedenen Begleitproblemen führen.
Dazu können zum Beispiel gehören:
Nährstoffmängel (z. B. Vitamin B12, Eisen oder fettlösliche Vitamine)
Müdigkeit oder Erschöpfung
Konzentrationsprobleme
Hautprobleme
Haarausfall
verstärkte Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel
Wenn über längere Zeit wichtige Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden, kann dies außerdem verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper beeinflussen, darunter auch Prozesse, die mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen.
Ganzheitliche Betrachtung bei Verdauungsbeschwerden
Verdauungsbeschwerden entstehen selten durch nur eine einzige Ursache. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.
Dazu können unter anderem gehören:
die Zusammensetzung der Darmflora bzw. des Darmmikrobioms
die Funktion des Verdauungssystems (z. B. Magensäure, Verdauungsenzyme oder Darmbewegung)
der Einfluss des Nervensystems auf die Verdauung, etwa durch Stress, innere Anspannung oder eine dauerhafte Aktivierung des vegetativen Nervensystems
individuelle Nahrungsmittelverträglichkeiten
Medikamente, die das Verdauungssystem oder das Darmmikrobiom beeinflussen können (z. B. Antibiotika oder Säureblocker)
chronische Infektionen oder entzündliche Prozesse im Körper
Umweltbelastungen, die den Stoffwechsel und das Darmmilieu beeinflussen können
mögliche Belastungen aus dem Mundraum, etwa durch chronische Entzündungen oder unverträgliche und/oder toxische Materialien (z.B. Amalgam)
Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlafmangel, Stressbelastung oder Bewegungsmangel
mögliche psychosomatische Zusammenhänge
Gerade der Zusammenhang zwischen Verdauung und Nervensystem spielt bei vielen Menschen eine wichtige Rolle. Dauerhafte Anspannung, Stress oder belastende Lebenssituationen können die Darmbewegung, die Verdauungsenzyme und die Wahrnehmung von Reizen im Bauch beeinflussen.
Auch eine gestörte Darmbarriere kann im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden stehen. Mehr dazu im Artikel Leaky Gut und Darmbarriere. "Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit – kann eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut) die Ursache sein?"
Eine ganzheitliche Betrachtung kann helfen, solche Zusammenhänge besser zu erkennen und individuelle Auslöser von Verdauungsbeschwerden zu verstehen.
Mehr zum Zusammenhang zwischen Reizdarm, Verdauung und Nervensystem findest du auch auf der Themenseite „Reizdarm, Verdauung & Nervensystem“.
Wenn du unter wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder einem ständig aufgeblähten Bauch leidest, kann es sinnvoll sein, die möglichen Ursachen genauer zu betrachten. In meiner Naturheilpraxis Selma Alaçam in Mannheim begleite ich Menschen dabei, Zusammenhänge zwischen Darm, Nervensystem und Verdauung besser zu verstehen.




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